In einem leider gewöhnungsbedürftigen Format erschien dieses unübertrefflich gut klingende Dokument der Grieg-Interpretation vom Anfang des vorigen Jahrhunderts.
| Edvard Grieg – Klavierkonzert, Violinsonate und fünf Lyrische Stücke |
Die acht übrigen Tracks fungieren als Zugaben; dass einige davon, die durchaus noch auf die SACD gepasst hätten, aus dem Netz heruntergeladen werden müssen, betrachte ich als ein kleines Ärgernis. Als kleine Sensation hingegen können die vier Lyrischen Stücke (darunter der unverwüstliche „Hochzeitstag auf Troldhaugen“) in Eigeninterpretationen des Komponisten aus dem Jahre 1906 gelten (während eines Besuches in Leipzig hat er insgesamt neun Stücke auf sechs Rollen für die Nachwelt festgehalten). Ob gewisse Ungelenkigkeiten der manuellen Verfassung des 63-jährigen Grieg oder den Grenzen des Aufzeichnungsmechanismus‘ („Phonola“) geschuldet sind, kann hier nicht entschieden werden. „An den Frühling“ spielte Percy Grainger 1919 ein. Den Klavierpart der berühmten dritten Violinsonate schließlich haben einst anonyme Kräfte nach der Partitur gestanzt; die eigentliche Interpretation liefert erst der weltweit einzige Pianola-Experte Rex Lawson. Wie auch immer, der mir ansonsten unbekannte Geiger Oyvind Bjora bleibt dem Stück kaum etwas schuldig. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der sensationsheischende Aufwand dieser Produktion, wie er im Booklet nachzulesen ist, und das beruhigend „normal“ wirkende klingende Ergebnis in einem gewissen Missverhältnis zueinander stehen. Dennoch ist die (selbst im Vergleich zu aktuellen Aufnahmen) verwöhnteste High-End-Ansprüche befriedigende Einspielung des Klavierkonzerts schlechterdings unverzichtbar.
Verzichtbar hingegen scheint mir das Pure Audio Blu-Ray-Format (24 Bit/352 kHz!) wie zuvor schon die längst im Orkus gelandete Audio-DVD. Was macht man mit dem nicht genutzten Bildschirm? Und wer schließt schon seinen Fernsehbildschirm, der in der Regel über eigene Lautsprecher verfügt, an eine wirklich hochwertige Anlage an? Denn die beigepackte SACD reicht als hochauflösendes, wahlweise zwei- oder mehrkanaligen Musikgenuss bietendes Format völlig aus. Vollends ärgerlich wird die Veröffentlichung durch ihr Hochformat: Wohin soll man eine so verpackte Disc bloß räumen? Zu den Filmen etwa? Wahrscheinlich wirft man die Hülle fort, steckt das Büchlein, das auch im Querformat nicht zu den CDs passen will, ins Bücherregal und reiht den nunmehr hüllenlos gewordenen Tonträger ins CD-Regal ein, auf dass er dort vollends verloren gehe.
| Interpretation | ungewöhnlich bis außerordentlich |
| Repertoirewert | 100% |
| Edvard Grieg |
|---|
| Klavierkonzert a-Moll op. 16, Violinsonate Nr. 3 c-Moll op. 45, 5 Lyrische Stücke |
| Percy Grainger, Edvard Grieg, Player Piano; Oyvind Bjora, Violine; Rex Lawson, Pianola; Kristiansand Symfoniorkester, Ltg.: Rolf Gupta |
| Pure Audio Blu-ray Disc und SACD 2L60SABD EAN-Code: 704188851412 (Vertrieb: Naxos) |
| TT: 66‘18 |











