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Josef Suk – Zrání (Lebensreife), Sinfonie Nr. 1 E-Dur

01.11.2010  | von Thomas Schulz
 
Zwei Werke des tschechischen Spätromantikers Josef Suk in wunderbaren Interpretationen, die die tiefen Dimensionen der Musik offenlegen. Das Klangbild ist die reine Freude.

Josef Suk – Zrání (Lebensreife), Sinfonie Nr. 1 E-Dur – New London Chamber Choir, BBC Symphony Orchestra, Leitung: Jirí Belohlávek
Es ist sehr zu begrüßen, dass die Musik Josef Suks in letzter Zeit verstärkt auf dem Tonträgermarkt wie auf den Konzertpodien präsent ist. Aus der Generation der tschechischen Tonsetzer unmittelbar nach Dvorák und Janácek ist Suk, der von 1874 bis 1935 lebte, sicherlich der bedeutendste – und derjenige, der den weitesten stilistischen Weg zurücklegte. Als junger Mann bewegte er sich vorwiegend im Rahmen der Dvorák-Nachfolge; später wurde seine Musik anspruchsvoller und komplizierter. In seinen letzten Werken fand er zu einer vielfältig changierenden Klangsprache an der Grenze der Tonalität.

Auf vorliegender SACD finden sich zwei Werke, die jeweils Höhepunkte seiner frühen und späteren Schaffensphase darstellen. Die Sinfonie E-Dur vollendete Suk 1898. Sie zeigt zwar allenthalben noch Spuren des Einflusses seines Lehrers und späteren Schwiegervaters Dvorák, präsentiert aber gleichzeitig die früh entwickelte Meisterschaft des Komponisten. In der Sinfonie gehen souveräne Beherrschung der viersätzigen Form, eingängige, prägnante Thematik und lebendige Orchestrierung eine glückliche Verbindung ein. Die fast vierzigminütige Sinfonische Dichtung „Zrání‟ (zu deutsch „Lebensreife‟) zeigt Suk von einer ganz anderen Seite. 1917 abgeschlossen, bedient sich das Werk, das außer einem groß besetzten Orchester auch für wenige Takte einen wortlos vokalisierenden Frauenchor verlangt, einer äußerst komplexen Harmonik. Zudem ist die lebensfrohe Stimmung der Sinfonie einer emotional ambivalenten Stimmung gewichen. Suk wollte hier nach eigener Aussage „die Freuden und tragischen Schatten des Lebens‟ musikalisch zum Ausdruck bringen. Die zahlreichen Kämpfe lösen sich gegen Ende in einer Stimmung tiefen inneren Friedens auf.

Ein geeigneterer Interpret für diese Musik als den Dirigenten Jirí Belohlávek dürfte schwerlich zu finden sein. Mit dem BBC Symphony Orchestra, dem er seit 2006 als Chefdirigent vorsteht, gelingt es ihm, alle Fassetten von Suks Partituren auf ebenso meisterhafte wie uneitle Weise zu erfassen. Von der frühen Sinfonie dürfte es keine gleichwertige Einspielung geben, und auch im Falle von „Zrání‟ kann Belohláveks Interpretation Referenzwert beanspruchen – nicht zuletzt, weil er die überbordende Gefühlsvielfalt dieser Partitur in einem überzeugenden formalen Bogen zu bündeln vermag. Und darüber hinaus lässt das hochauflösende SACD-Klangbild – vollmundig, brillant, trennscharf – keinerlei Wünsche offen.

Interpretation 100%
Repertoirewert 95%

Josef Suk
Zrání (Lebensreife), op. 34
Sinfonie Nr. 1 E-Dur, op. 14
New London Chamber Choir, BBC Symphony Orchestra, Leitung: Jirí Belohlávek
Aufgenommen Januar und April 2010
Chandos / Codaex SACD CHSA 5081
TT: 78'

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