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Pristine Audio download twenty-eight: Konoyes sämtliche Aufnahmen mit den Berliner Philharmonikern

06.05.2011  | von Reinhold Martin
 
Der japanische Dirgient Konoye (1898 bis 1973) steht heutzutage allenfalls im Blickpunkt von Musikwissenschaftlern, und das vor allem deshalb, weil er 1939 als erster Mahlers vierte Sinfonie auf Platte einspielte. Daran, dass er einige Jahre später mit den Berliner Philharmonikern Platten aufgenahm, erinnert Mark Obert-Thorn mit seinem jüngsten Restaurationscoup für Pristine Audio.

Pristine Audio download twenty-eight: Konoyes sämtliche Aufnahmen mit den Berliner Philharmonikern
Dass sich Konoje vor und nach seiner Dirigiertätigkeit im Westen in Japan Meriten als erstklassiger Orchestergründer und -erzieher erworben hat, dürfte hierzulande nicht allzu bekannt sein. Tatsächlich war er 1925 mit 27 Jahren Mitgründer und erster Dirigent des Orchesters Japan Symphonic Association. Später gründete er das New Symphony Orchestra of Tokyo, das sich heute NHK Symphony Orchestra nennt, und das er über zehn Jahre in einen Klangkörper internationalen Formats formte. In Europa dirigierte er neben den Berlinern das Orchester der Scala Mailand. Er befand sich bereits auf dem Weg in die USA, um Toscaninis NBC Symphony Orchestra auf einer Amerika-Tournee zu leiten, als ihm der zweite Weltkrieg einen Strich durch die Rechnung machte. Zu den Dirigentenfreunden des dem japanischen Hochadel entstammenden Hidemaro Konoye zählten Erich Kleiber, dessen Schüler er war, ebenso wie Leopold Stokowski, Wilhelm Furtwängler und Richard Strauss. Als Komponist machte sich Konoye in erster Linie als geschickter Arrangeur von Mussorgskis Bildern einer Ausstellung und Schuberts C-dur Quintett einen Namen.

Sein Dirigierstil zeigt einige Verwandschaft mit demjenigen seines Lehrers, Mentors und Freundes Erich Kleiber: Musikalische Strukturen werden stets klar und durchaus auch mit Strenge herausgearbeitet, wodurch Mozarts Sinfonia concertante fern von jeglicher Mozartkugel-Romantik in enormer Farbigkeit aufblüht, die nicht zuletzt den  hervorragenden Solisten der Berliner Philharmoniker geschuldet ist. Auch der Haydn-Sinfonie kommt Konoyes eher nüchterner Ansatz, der schon ein wenig den Stil späterer historisierender Orchester vorwegnimmt, entgegen. Mussorgskys Nacht auf dem kahlen Berge, die wir als aktuellen Download ausgewählt haben, ist in der Interpretation des Japaners dank eines streng durchgehaltenen Metrums derjenigen eines Arturo Tosanini deutlich näher als derjenigen Leopold Stokowskis, der sich hier ganz als Showman gibt.

Konoyes Aufnahmeserie mit den Berliner Philharmonikern, die neben den japanischen und deutschen Nationalhymnen auch das Horst-Wessel-Lied umfasst, deren Aufnahme den unseligen Zeiten der Achse Japan-Deutschland geschuldet ist, bringt uns Nachgeborenen einen hervorragenden Dirigenten aus dem Land der aufgehenden Sonne näher, der eine Wiederentdeckung verdient hat – ganz besonders in der erstklassigen Restauration durch Mark Obert-Thorn.

Pristine Audio download twenty-eight:
Konoyes sämtliche Aufnahmen mit den Berliner Philharmonikern
MOZART, Sinfonia Concertante for Oboe, Klarinette, Horn & Fagott in Es-dur, K297b
Erich Venzke, Oboe
Alfred Bürkner Klarinette
Martin Ziller, Horn
Oskar Rothensteiner, Fagott
Aufnahme 4. Januar 1937 in Berlin
HAYDN Sinfonie nr. 91, Es-dur, Hob. I:91
MUSSORGSKY Eine Nacht auf dem kahlen Berge
HAYDN Deutsche Nationalhymne
Horst-Wessel-Lied
Japanische Nationalhymne (Kimigayo; arrangiert von KONOYE)
Aufnahme 21. April 1938, Lützowstrasse 111, Raum VIII, Berlin
Berliner Philharmoniker
Dirigent: Viscount Hidemaro Konoye
Pristine Audio PASC 288 (mono und ambient stereo)
TT: 62’16

Interpretation 80%
Editorischer Wert 95%




Konoye
Mussorgsky
„Eine Nacht auf dem kahlen Berge“
ca 31,9 mb (Flac)

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