Gibt es die „authentische“ Interpretation? Bei Marguerite Long könnte man auf die Idee kommen: Denn als sie 1932 Ravels G-dur-Klavierkonzert zum erstenmal einspielte, war Ravel im Studio dabei und kontrollierte jeden Takt. Jetzt hat Pristine Audio dieses legendäre Dokument und anderes von ihr restauriert.
| Pristine Audio download twenty-seven: Marguerite Long spielt Klavierkonzerte von Ravel und Milhaud |
Auf alle Fälle gilt ihre Ersteinspielung bis heute als unantastbare Referenz, die auch oft kopiert wurde. So musste Madame Long es sich gefallen lassen, dass ihre spätere, akustisch deutlich bessere Einspielung des G-dur Konzerts aus dem Jahr 1952, das dann von einem Profiorchester, nämlich dem auf Topniveau spielenden Orchestre des Concerts du Conservatoire begleitet wurde, und das deutlich milder und abgeklärter klingt, von der französischen Kritik herb attackiert und an der alten Referenz gemessen wurde. 1952 war Ravel schon lange tot, und die Long war 78 Jahre alt. Kein Wunder, dass sie jetzt die virtuosen Ausbrüche in den Ecksätzen nicht mehr so schnell und makellos aus dem Handgelenk schütteln konnte. Aber noch schlimmer war, dass sie den langsamen Satz jetzt plötzlich mit Gefühl und Atmosphäre auflud, und ihn gegen Ravels erklärte Absicht zu sentimentalisieren und zu beschönigen suchte. Und doch hat auch diese zweite Version ihr Meriten, weil sie einfach deutlich besser und natürlicher klingt und überdies auch vieles von der träumerischen Melancholie des Stückes transportiert, was 1932 unter den damaligen technischen Bedingungen noch nicht möglich war. Andrew Rose hat auch diese Hifi-Version mit aufgenommen in sein 70-minütiges Gedenkalbum, und das ist sehr erfreulich, weil es Direktvergleiche ermöglicht. Das Restprogramm bestücke er mit Milhauds erstem Klavierkonzert in einer Aufnahme aus dem Jahr 1935, die im Vergleich zu dem frühen Ravel-Dokument verblüffend präsent und rauschfrei klingt, und Longs glasklares, ungemein prägnantes und durchsichtiges Spiel hautnah miterleben lässt. Hier, wie auch in den sechs kurzen Solostücken von Milhaud und Debussy, die das Programm überzeugend abrunden, bekommt man einen nachhaltigen Eindruck von der Modernität, der Frische, der Klarheit und Logik ihres Spiels, das nicht zufällig den Maßstab setzte für die französische Klavierkultur des 20.Jahrhunderts.
| Pristine Audio download twenty-seven |
|---|
| Marguerite Long spielt Ravel, Milhaud und Debussy Ravel, Klavierkonzert G-dur Marguerite Long, Orchestre symphonique, Pedro de Freitas Branco (Aufnahme 14.4.1932) |
| Milhaud, Klavierkonzert Nr.1 M. Long, Orchestre symphonique, Darius Milhaud (Aufnahme 5. 5 1935) |
| Milhaud, zwei Klavierstücke aus „Automne“ und „Saudades do Brazil“ (Aufnahmen 10 5 1935) |
| Debussy, vier Klavierstücke aus „Arabesques“, „Estampes“ und „Préludes“ Marguerite Long, Klavier (Aufnahmen 1929-1930) |
| Ravel, Klavierkonzert G-dur M. Long, Orchestre de la Sociéte des Concerts du Conservatoire. Georges Tzipine (Aufnahme 12. 6. 1952) |
| Pristine Audio PASC 285 (mono und ambient stereo) |
| TT: 72’56 |
| Interpretation | 80%-95% |
| Editorischer Wert | 95% |

![]() Marguerite Long Ravel Klavierkonzert G-dur (1952) 1. Satz ca 34,5 mb (Flac) |













