Don Friedman gastierte in der Saison 2010/11 schon zum zweiten Male im Birdland: erstmals im November mit Johannes Enders‘ New York Quartett und kürzlich mit seinem eigenen Trio mit Martin Wind und Hans Braber am Bass.
Natürlich haben wir auch das Konzert von Johannes Enders mitgeschnitten. Einige Knackser – wir rätseln noch immer, ob sie aus der Klimaanlage in die Übertragungskette eingestreut wurden oder von einem sich nur langsam aufwärmenden Mikrofon stammen – haben die Bearbeitung dieser Aufnahme lange Zeit verzögert. Denn zum Restaurieren bietet Sonic Studio eine spezielles Modul für die Mastering-Software Soundblade an, das uns erst seit kurzer Zeit zur Verfügung steht. So konnten wir die Aufnahmen gerade früh genug fertigstellen, um sie Don Friedman zu überreichen. Die Auswahl des hier hoffentlich bald zu hörenden Stückes wird aber Johannes Enders treffen. Die Wartezeit, bis es soweit ist, versüßen wir uns und Ihnen mit einer Komposition des Pianisten: Über zwölf Minuten präsentierten er und sein Trio „Almost Everything‟. Doch lesen Sie zuvor, wie Tobias Böcker das Konzert erlebte.
| Don Friedman machte das Spiel am Bösendorfer hörbar Spaß – kein Wunder, verwöhnt das Birdland die Pianisten doch mit einem edlen, vor jedem Auftritt frisch gestimmten Instrument |

Einer der Großen – Don Friedman im Birdland
Neuburg. Art of Piano im Birdland Jazzclub: Das verspricht seit etlichen Jahren schon große Kunst auf 88 Tasten, zeigt in nur denkbarer Bandbreite die ungeheure Vielfalt des Ausdrucks, die am Flügel möglich ist. Mit Don Friedman war einer der ganz Großen zu Gast im Keller unter der Hofapotheke und entlockte dem Bösendorfer so abgeklärte Lebensweisheit wie spielfreudige Improvisationslust.
Einmal mehr zeigte sich, dass dem Jazz die Kraft des Jungbrunnens innewohnt. Das Spiel des 75-jährigen Friedman sprudelte nur so von Ideen, kleinen, feinen Wirbeln im lebendigen Quell musikalischer Inspiration. Begleitet von dem in Neuburg durch seine langjährige Dozententätigkeit in der Sommerakademie zu Recht überaus geschätzten Martin Wind am gleichberechtigt eloquent gespielten Bass und dem in sensibler Zurückhaltung sublim swingenden Hans Braber am Schlagzeug bot Friedman Pianojazz vom feinsten für Kopf und Herz. Bewegt wurde dieser auf Bill Evans’ Spuren nicht nur von den Standards des Jazz, sondern auch von der europäischen Romantik eines Frederic Chopin. Dabei zelebrierte der bewundernswerte Pianist in keiner Sekunde den Egotrip: Friedman zeigte sich immer flexibel im kommunikativen Dreieck mit seinen Partnern, jederzeit gut für Überraschungen: „Bouncing With Bud“! Das ist die eine Linie, der perkussiv geprägte Anschlag des Bebop. „Remembering Scott“ widmete sich dagegen der Erinnerung an Scott LaFaro, den Friedman schon Mitte der 50-er in Los Angeles kennenlernte, jenen viel zu jung verstorbenen Bassisten des legendären ersten Trios um Bill Evans, das als erstes die Gleichberechtigung von Piano, Bass und Schlagzeug in den Jazz einbrachte, sensitiv, hörend, dialogisch, kreativ im Diskurs einer gleichgewichtig ausgependelten Partnerschaft. Ein Fest der Sinne, fein, leise, empfindsam, von schöpferischer Kraft!
Tobias Böcker
Völlig zufrieden bin ich mit dem Klang noch nicht. Der Bass hätte gut noch zwei, drei Dezibel mehr vertragen, und ein wenig mehr Schub bei der Bass-Drum hätte auch nicht geschadet. Aber leider kommt man beim Mischen vor Ort schnell an die technischen Grenzen: Selbst wenn es einen völlig linearen, geschlossenen Kopfhörer gäbe – und ich kenne trotz intensiver Suche keinen –, würde wohl der über den Körper aufgenommene Schall das akustische Ergebnis verfälschen. Zudem halten auch recht fest aufliegende Ohrpolster die Musik im Raum nicht völlig vom Ohr fern. Das Resultat ist, dass man mehr Tieftonenergie wahrnimmt, als wirklich auf der Aufnahme vorhanden ist. Man pegelt Bass und Schlagzeug ein wenig niedriger ein, als es ideal wäre. Aber auch die nicht ganz ideale Aufnahme lässt sich meines Erachtens nach genießen. Ihren Anregungen in Sachen linearer Kopfhörer sehe ich mit Spannung entgegen!
| Hans Braber setzte in diesem Trio sehr einfühlsam und farbig rhythmische Akzente |
![]() Don Friedman Trio Almost Everything 16 bit / 44,1 kHz ca. 134 mb (wav) |
![]() Don Friedman Trio Almost Everything 24 bit / 96 kHz ca. 437,5 mb (wav) |












